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3.Reise
10.Aug.2002 - 12.Dez.2002
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21.09.2002 Gedenken
Ich habe einen historischen Platz erreicht. Camp Nr. 119, von dem aus
Burk und Wills 1860 starteten um
den Golf von Carpentaria zu erreichen.
Ausgangspunkt der gesamten Expedition war Melbourne. Für mich unvorstellbar, wie sich
insgesamt vier Männer durch den damals unerforschten Busch Australiens schlugen.
Quer durch den Kontinent von Süden nach Norden. Und ich ... ?
Ich stehe nun hier vor der Erinnerungstafel, mit Technik, Ausrüstung und ausreichend Verpflegung.
Alles Dinge, von denen die Männer damals nicht einmal träumten.
Sie bereiteten die Wege auf denen ich heute reise. Voller Respekt bedanke ich mich jetzt für diese
Leistung.
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22.09.2002 Feststellungen
( Morgens )
Ich liebe den Morgen. Alles erstrahlt mit neuer Kraft. Es richt angenehm frisch. Niemand der einen
drängelt. Keine Hektik beim Zusammenpacken und schon gar nicht beim Frühstück. Leider spüre ich um
diese Stunden all zu oft kleinere Wehwehchen.
Da wären der stechende Schmerz in der rechten Schulter wenn ich den Arm hebe (habe ich aber schon eine
Ewigkeit.),der eingeklemmte Nerv in der linken Brusthälfte (hab die Nächte wohl mal falsch gelegen),
der dumpfe Schmerz im rechten Ellebogen sowie in der Pobacke auf der selben Seite (Beides prellte ich
mir, als ich beim Baden oberhalb der Edith Falls auf einem glatten Stein ausglitt.),und zu guter
Letzt der angeknackste rechte Mittelzeh, den ich mir bei den Jim Jim Falls einhaute als ich
barfüßig von einem Stein zum anderen sprang.
Entweder werde ich alt oder die einseitige Ernährung macht mich saft- und kraftlos.
Da ich keine Möglichkeit der Kühlung habe, bereite ich mir gelegentlich das Essen aus der Büchse zu.
Viel öfter nutze ich, für die Zubereitung meiner Speisen, langhaltbare Zutaten wie z.B.:
Trockenmilch, Cornflakes, Müsli, Reis, Nudeln, aber auch Zwiebeln, Möhren, Marmelade und Honig.
Es ist dennoch zu eintönig. Mittlerweile machen sich fehlende Mineralien und Vitamine ganz schön
bemerkbar.
Letztendlich werde ich nicht gleich verhungern und dieser Gedanke gibt mir Kraft für den neuen Tag.
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22.09.2002 Wunderland ( Abends )
Über einen Viehtreibertrack, der die Rinderfarmen zwischen Mt Surprise und Almaden
verbindet, habe ich ein ansehnliches Stück abgekürzt. Von Rindern zerstrampelt zeigte sich auch
die Piste, die mein Auto kräftig durchrüttelte und mir die restlichen Fettpolster von den Hüften fegte.
Ab dem Ende dieses Tracks tauchte ich immer tiefer in den goldenen Teil von Queensland ein und
erreichte Mareeba.
Mir kam es vor, als würde ich eine unsichtbare Grenze überschreiten. Hinter mir
lagen die staubigen grauen Rinderfarmen und Weideflächen, direkt vor mir das grüne, blühende
“Plantagenland”. Plantagen, bepflanzt mit Mandarinen- und Mangobäumen und vor allem Zuckerrohr.
Mareeba scheint in den vergangenen dreieinhalb Jahren ganz schön Zulauf bekommen zu haben.
Möglich das ich jetzt alles mit anderen Augen sehe.
Vielleicht erkenne ich Cairns nicht mehr wieder. Ich lasse mich überraschen. Doch um nach
Cairns zu gelangen, nehme ich einen kleinen Umweg über Cooktown.
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25.09.2002 Tropischer Norden
Die Stadt Cooktown,
die lange Zeit als ein Paradies der Abgeschiedenheit galt, hat mich angenehm
überrascht, obwohl der Ort in den letzten drei Jahren einen steigenden Touristenverkehr erfährt.
Das Leben hier verläuft nicht so hektisch. Die Straßen sind sauber, die alten historischen
Gebäude in einem gepflegtem Zustand. Man ist stolz auf seine Vergangenheit. Die Umgebung lockt mit
interessanten Spots. So die Anan Gorge, herrliche Strände, die Black Mountains, Hope Vale
(eine Aborigines Gemeinde) und vor allem der Bloomfield Wasserfall, zu dessen Füßen man im kalten
Wasser baden kann.
Leider wird diese Gegend immer mehr für den Tourismus erschlossen. Der Hauch
von Abenteuer geht dabei verloren. War man früher noch einer von ganz Wenigen die bestaunt wurden,
weil man bis in diese Gegend vordrang, so gilt es heute als Normal, einen Abstecher bis zum Cap
Tribulation oder bis Cooktown zu machen.
Die Flussdurchfahrt durch den von Gezeiten abhängigen Bloomfield River wurde durch eine Brücke
entschärft und die einstige Gravelroad von Daintree nach dem Cape Tribulation
(die ich mit meinem damaligen Mietwagen nicht befahren durfte) ist mittlerweile geteert.
Nur noch der Abschnitt vom Cape nach Bloomfield bietet noch etwas Off - Road Romantik,
doch muss man auf irre Freizeitabenteurer in ihren Jeeps Rücksicht nehmen.
Erste Straßenbegradigungsarbeiten werden auch diesen Teil bald für jeden Backpacker zugänglich
machen.
Kommt man von dieser “einsamen” Piste und durchfährt wenige Kilometer vor dem Cape einen Fluss,
der ein letztes natürliches Hindernis darstellt, findet man sich in einer Masse erlebnishungriger
Urlauber wieder, die in Bussen bis zu diesem Punkt gekarrt werden. Und damit die blöden "Touris" auch
zu Hause “beweisen” können, welch “riskante” und “abenteuerlichen” Ausflüge sie unternommen haben,
fahren die Busse zum Photoshuting in der Furt hin und her, das es nur so spritzt.
Mit der Fähre überquere ich morgen den Daintree River und verlasse diese Gegend mit gemischten
Gefühlen.
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29.09.2002 Daintree - Cairns
Carins - heißt ins Deutsche übersetzt -
Steinhaufen. Aus "Steinhaufen" ist diese Stadt entstanden und
in den letzten dreieinhalb Jahren regelrecht aus den Nähten geplatzt. Entlang der Straße,
auf der ich damals 25 km mit dem Rad fuhr, um eine Krokodilfarm zu besuchen, entstanden
Wohnsiedlungen, Einkaufszentren und Industriegebieten. Das weite Grasland wurden komplett zugebaut.
Es ist hektisch geworden und vor allem teuer. Nur gut das ich all das Interessante schon einmal
gesehen habe.
Die vergangenen Tage nutzte ich um mich und mein Fahrzeug in Ordnung zu bringen.
Sobald ich morgen meine Einkäufe getätigt, die Vorräte aufgefüllt und meinem Kumpel einen Ölwechsel
verpasst habe, starte ich wieder durch.
Einen Tag werde ich der Gegend um den Lake Tinaroo widmen. Spezielle Aufmerksamkeit gilt dem
Bereich, den ich damals, der fürchterlichen Gravelroad wegen, nicht erreichen konnte.
Ich freue mich schon wieder darauf, das Land auf meine Weise zu erkunden.
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01.10.2002
Man sollte seine Ansprüche, seltene Tiere zu Gesicht zu bekommen, nicht all zu hoch schrauben. Schon
gar nicht, wenn man lautstark durch den Busch oder den Regenwald trampelt, wie es viele tun.
Vielleicht kommt man mit viel Glück in den Genuss einen Casovari ,
ein Baumkänguru oder gar einen Koala zu sehen. Doch sollte man sich die Möglichkeit auf ein Foto
gleich ganz aus dem Kopf schlagen.
Nicht gesehen zu werden garantiert diesen seltenen Tieren das Überleben.
Ich hatte das Glück einen Vogel bei der Balz zu beobachten. Er hob seine Flügel über den Kopf und
wiegt sich hin und her. Wie ein Bodybuilder, der die Arme empor hebt, den Bauch einzieht, um der Jury
zu zeigen was für Muskeln er hat.
Ich mag den Regenwald, speziell hier in Nordostaustralien. Es ist herrlich im kühlen Schatten zu
wandern und dem Vogelstimmenwirrwarr einen Rhythmus abzuringen.
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03.10.2002 Tableland
Vom Lake Tinaroo wechselte ich zum Lake Koomboolloomba. (Ja, ja, ich habe auch so meine
Schwierigkeiten mit den Namen.)
Auf dem Weg dorthin stoppte ich des Öfteren, um durch den Regenwald zu wandern. Auf den gut markierten
Pfaden gelangt man zu den Tully Falls, zu Billabongs und versteckten Wasserpools.
An dem zuvor erwähnten, schwierig auszusprechenden See schlug ich mein Lager auf und freute mich schon
auf die entspannende Stille des Abends. Wie ein Bienchen sammelte ich Holz für mein abendliches Feuer.
Da tauchte ein älteres Pärchen auf um ebenfalls die Nacht zu verbringen. Der Frieden der Nacht schien
noch nicht gestört, bis der Herr einen Apparat aus dem Auto holte. Ich hörte schon das gleichmäßige
Brummen des Generators, doch das Gerät entpuppte sich als Motorsäge, mit der der Herr einen Ast
nach dem anderen vom Baum trennte.
Zu faul 200 m zu laufen und trockene Äste zu sammeln. Da braucht sich keiner aufregen, wenn manche
Campingplätze keinen Schatten mehr bieten.
Im Moment halte ich Siesta irgendwo abseits der Kennedy Developmental Road. Mit einer guten Tasse
Kaffee überbrücke ich die Hitze des Mittags.
Wohl dem der genießen kann.
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07.10.2002 Kurzbericht
Manchmal weiß ich nicht wo ich anfangen soll mit schreiben und manchmal finde ich auch nichts
Besonderes zu berichten. Deshalb nur ein paar Zeilen um den Anschluss nicht zu verpassen.
Nach dem Besuch des Porcupine Gorge National Parks erreichte ich
Hughenden.
Entlang der Strecke bis Mt Isa gibt es zahlreiche Museen, in denen man sich informieren kann wie
alles vor 500 Millionen Jahren begann. Anhand von Fossilien erhält man Einblick in längst vergangene
Lebenszeiträume, als dieses Land zum größten Teil von Wasser bedeckt war. Man erfährt welche
zahlreichen Schätze sich im Laufe der Erdgeschichte angesammelt haben. Erze und Mineralien, die z.B.
in Mt Isa abgebaut werden.
Zwei Tage verbrachte ich in dieser Industriestadt und befinde mich nun auf dem Weg nach Birdsville.
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09.10.2002 Birdsville Track Teil 1
Birdsville, eine hundert Seelengemeinde
und Ausgangspunkt für den gleichnamigen
Track der durch das
Sturt Stony Desert führt. Fast den halben Tag verbrachte ich hier. Man kommt ins Staunen was man hier
so alles beäugeln kann. Ein Erdwärmekraftwerk, einen riesigen See zum Fischen und Erholen, seltene
Bäume als Überbleibsel der Urzeit (die nur noch hier wachsen), Dingohöhlen nebst den scheuen Wildhunden,
und die “Big Red”, zu der man allerdings 35 km zurücklegen muss um sie zu erklimmen.
Hinter dieser Düne, die ehr blass hellrot erscheint, beginnt die “French Line“. Die wohl
anspruchsvollste Herausforderung nach der Canning Stock Route.
Gleich hinter dem Ortsausgang von Birdsville regte mich ein ausgebleichtes, buntes Schild zum
schmunzeln an.
“Benzin, Duschen, Essen, und “eiskaltes” Bier, NUR 300 km, im Mungerannie Roadhouse erhältlich."
Das ist in etwa so, als würde man bereits in Chemnitz Werbung für das Panoramacafe im Berliner
Fernsehturm machen.
Hier im Südwesten von Queensland, wird man sich der rießigen Entfernungen erst richtig bewußt.
Einige Kilometer weiter, schon auf der Seite von Südaustralien, geriet ich in einen Sandsturm, der
die parallel zu den Dünen verlaufende Straße komplett einhüllte. Der Track war auch nicht der Beste.
Tiefe Spurrinnen waren gefüllt mit talkumartigem Staub ( Bulldust ), der sich explosionsartig entfaltete,
sobald es einen Reifen in die Rinne zog. Die geschlossenen Fenster hielten nur das Gröbste ab.
Der puderähnliche Staub krocht durch alle Ritzen und bedeckte nun den Innenraum.
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